Der/die/das Depp

Was ist ein Depp? Das erste, das mir da in den Sinn kommt, ist: ein amerikanischer Wähler. Und neuerdings leider auch viele deutsche Wähler. Bruno Kreisky – wir sind in Österreich, also Dr. Bruno Kreisky und „Trottl“ statt „Depp“ – sagte einmal von einem nicht so guten Freund, er habe „ein etwas ungeordnetes Verhöltnis zur Intelligenz“.
Schmäh. Schee.

Bruno Jonas hatte da auch eine Meinung. Es gebe keine Deppen, sagte er (Herrschaften: nicht „gäbe“, es ist indirekte Rede, nicht Konjunktiv – ich könnt mich scho wieder aufregen!), nur Leute, die beim Denken kein Glück haben. Und ein anderes Mal: Es könne sein, dass das Gehirn eines bestimmten Herrn diesem einfach nicht die richtigen Ergebnisse liefere.

Passiert mir schon auch hier und da. Wahrscheinlich bzw. ganz sicher bin ich ein Teilzeit-Depp. Wie wir alle. Aber so deppert, dass ich jetzt Depp*in schreibe – bin ich doch nicht. Wobei, wenn man/frau/lebensform männerfeindlich wäre, könnte man/frau/lebensform jetzt sagen, dass die natürliche Seinsform des Deppen halt männlich sei. Männerfeindlich samma aber net.

Richtig deppert finde ich die Pizzawerbung mit „La donna è mobile qual piuma al vento“ (deutsch „O wie so trügerisch sind Weiberherzen“ – eine inhaltlich treffende Übersetzung). Seit Jahren wird da in Bildern die romantische Umwerbung einer Frau mit Tiefkühlpizza dargestellt, und dazu wird ein bewusst frauenverachtender Text gesungen. Gesungen nicht in akkuratem Belcanto, wie es in Verdis Rigoletto gehört, sondern schmierig-breiig, zum Davonlaufen. Da hilft nur abschalten, Kanal wechseln oder aus dem Zimmer gehen. Genau was Werbung erreichen soll.

Anmerkung zum Thema inhaltlich treffende Übersetzung: ChatGPT & Co. hätten hier übersetzt: „Die Frau ist beweglich wie Feder im Wind“. Weil sie nicht verstehen, worum es geht.

Vollgemacht

    „Ein ganzes Blatt in der Geschichte
    du hast es vollgemacht.“

(Dichterin und Aktivistin Friederike Kempner, der Schlesische Schwan, 1828-1904)

Die zweite Zeile war ein großer Heiterkeitserfolg wegen ihrer Doppelsinnigkeit, oder wie man heute sagt: weil doppelsinnig.
Daran musste ich bei der Eloge eines Kollegen von Mario Barth denken, der über diesen sagte: „Der hat das Level in eine andere Stratosphäre gemacht.“

 

Wie bitte bzw. Neudeutsch: Hä? Wo hat der hingemacht? Und was?

Ja klar, wenn man so begeistert ist – so begeistert wie die Werbeagentur, die für ein Plombenzieher-Knautschbonbon die mitreißenden Worte fand:
„Mehr Knack! Mehr Kau!“ (Was soll denn das n da?)

Ich weiß, das ist spitzfindig, und das soll man nicht sein. Aber ich möchte doch nur spitzifizieren …

It’s an uphill battle. Also lieber lächelnd in den Wumbaba-Modus gehen, vorgemacht von dem süßesten Kind aller Zeiten beim Absingen von Weihnachtsliedern:
– Schinkenpelz (Jingle Bells)
– Die rötlichen Hirten (Ihr Kinderlein kommet, die redlichen Hirten)

Anders herum verfuhr – und verfuhr sich – yours truly als sehr junge Sprachwissenschaftlerin: Sie akzeptierte nicht, was „der Vater im Himmel für Freude uns macht“. Es musste doch „magd“ heißen, nicht „macht“, denn „ich mach den nicht leiden“ war doch auch nicht korrekt, und ein Weihnachtslied musste man schon ordentlich auf Hochdeutsch singen. Überhaupt nannten sich die besten Frauen in der Bibel doch „Magd“, das passte so gut zum Vater im Himmel. Wenn auch an dieser Stelle nicht zur hochheiligen Nacht. Das war die erste Ahnung von „reim dich, oder ich fress dich“.