Hoffen auf ein Wunder

Ein leicht-amüsanter Blogeintrag zu Weihnachten sollte schon sein, dachte ich, aber die Zeit war nicht ganz so, ich habe wenig neues Material.
„Bisschen dürr“, sagte die innere Stimme. Und ich dachte, eigentlich passt „dürftig“ doch besser Aber man könnte es ruhig „dürrftig“ schreiben, das wäre auch ein Erkenntnisgewinn bringendes Two-in-one.

Und hier die Verleser-Ausbeute der letzten Monate:

Morgens der Rettungswagen vor der Tür, Notarzt, Sirenen zu hören, Drama! Und später am Tag gab es Wein, der hieß – „Blaulicht“?? Nein, Blanchet.

Auf der Fahrt am Bodensee sah ich in oder bei Friedrichshafen ein Schild – Schmuseum. Wie interessant! Eine Schmuse-Anstalt? Ach nein, nur ein Schulmuseum.

Seit Lebensmittel so teuer geworden sind, lohnt es sich, Prospekte mit Sonderangeboten zu lesen. Was gibt es da – Depressionsfrucht (Passionsfrucht) und Genuss für Zahnseide (Zuhause). Immer diese Skepsis, aber es hätten ja Karamellbonbons sein können, sogenannte Plombenzieher.

Und ein richtiger Ausrutscher passierte beim Lesen einer Optiker-Werbung: Glitschigkeit statt Gleitsichtgläser.

Nicht alle Fehler kann man selber machen, aber es gibt ja auch andere, über die man sich mokieren kann. Seit einigen Jahren z. B. die neue Satzendung: „und, ja“. Elaborierter „und von daher, ja.“ Wie wäre es mit „und von daher, sag ich mal, ja.“ Man fragt sich, was damit ausgedrückt werden soll. Und argwöhnt: nichts.

Zum Schluss eines meiner – äh – Lieblingsthemen:
Bei der Polizei gibt es viele, die noch normal sprechen können und wollen. Andere wollen gendern.
„Dann suchen wir jetzt potenzielle Täter.“
„-innen!“
„Aber auch außen.“

Mein Motto für die Weihnachtszeit und das neue Jahr: Hoffen auf ein Wunder.

Nachtrag (eigentlich ein Versprecher)
Mein innerer Dialog sagte gerade: I’ll be glad when this bloody championshit is over.

Vorauswissendes Lesen, Sprachschaum und ein ö

Wer einst mit der heute vergessenen Ganzsatz-Methode lesen lernte, macht aus dem ersten Blick auf eine Buchstabenkombination gleich etwas Sinnvolles. Manchmal ist das sinnvoller als das, was wirklich dort steht – freilich nicht immer.

Heute kam mir ein Bus entgegen. Kein Linienbus, die Anzeige lautete: Schubs. Meinte „mein prophetisches Gemüt“ (Hamlet). Ein paar mehr Buchstaben waren es denn doch: Schulbus. Ein Vehikel, das Kids zur Schule schubst. Leichter fällt die Assoziation, wenn man an das berüchtigte busing in den 1970er-Jahren in den USA denkt. Rassenintegration dadurch, dass „schwarze“ Kinder zu Schulen in „weißen“ Wohngebieten gekarrt wurden und umgekehrt. Die Kids durften nicht dort zur Schule gehen, wo sie wohnten. Kein so doller Erfolg.

In einem anderen Zusammenhang kündete mir dieses prophetische Gemüt von einem „angeschimmelten Star“. Das waren nun wieder zwei Buchstaben zuviel. Aber irgendwie, fand ich . . . hatte das was.

Mehr oder minder heimlich hoffe ich, dass so manch anderer Trend im Lesen und Schreiben auch einfach vergessen wird.

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Sprachschaum: a lot of hot air

In deutschen Institutionen wird immer mehr Englisch geschrieben, und das bekommt yours truly manchmal zum Lektorieren oder zum Übersetzen ins Deutsche.
Wenn Deutsche Englisch schreiben müssen (oder zu müssen glauben) und DAS dann ins Deutsche übersetzen lassen – statt in ihrer Muttersprache zu schreiben, sodass man versteht, was sie eigentlich meinen, und professionell ins Englische übersetzen zu lassen – dann kommt auf die Übersetzerin doppelte Arbeit zu. Sie muss sich entscheiden zwischen dem, was der Autor wahrscheinlich gemeint hat, und dem, was er geschrieben hat – und was oft eben nicht funktioniert. Englisch kann jeder – meint jeder. Vielleicht, aber kein gutes, korrektes und unmissverständliches Englisch.
Ganz schlimm wird es, wenn solche Autoren es besonders schick machen wollen. Wörter aus einer hohen Stilebene verwenden (leider nicht korrekt), dafür aber nicht einmal die grundlegendste Grammatik beachten, und doppelt so viele Wörter machen wie nötig. So wie Schaum. Es sieht auf den ersten Blick aus, als wäre es Substanz, aber es ist fast nichts. Heiße Luft.

KISS heißt die Devise, keep it simple, stupid. Oder wie eine meiner Lieblingsmütter manchmal sagte: „If you can’t say it properly, keep your mouth shut.“

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Ein kleines ö

Jeder weiß, wie die Hinterlassenschaften von Kaninchen aussehen: Es sind kleine Kügelchen.
Einst hatte ich ein vom Goethe-Institut organisiertes Sprachtandem mit einem japanischen Gastprofessor. Bei einem Ausflug ins Grüne erblickte er eine Ladung solcher Kügelchen und machte mich darauf aufmerksam: „Kanönchen!“

Dolmetschen – lieber nicht im Pool

„Unformationen“ vom Dolmetscherpool
Da hatte ich gedacht, mich in einen Dolmetscherpool aufnehmen zu lassen, aber wie sich zeigte, ist dieses Kollektiv für mich ungeeignet (vorsichtig ausgedrückt). Ich bin Freiberuflerin, und die erste Silbe bedeutet etwas. Also bedankte ich mich höflich – beim zweiten Versuch für die Informationen, mit „I“ am Anfang. Man muss nicht immer alles zum Ausdruck bringen, was man denkt.

Auch beim Lesen mache ich Fehler, die eine tiefere Wahrheit zeigen, z. B. beim Thema des 9. Thales-Forums: „Müdigkeit neu denken: Wieviel Digitalisierung ist genug?“ Mir reicht sie jetzt schon, ich bin ihrer müde, aber tatsächlich stand da „Mündigkeit“. Wie beim Forum zu erfahren war, hatten auch andere „Müdigkeit“ gelesen.
Und was offenbart sich, wenn ich statt „Saugfalle“ „Saufgalle“ lese? Dass ich mir unter dem einen nichts vorstellen kann und unter dem anderen wenigstens etwas Falsches.
„Frauchen ist tödlich“ auf Zigarettenschachteln an der Supermarktkasse: Mit Hunden habe ich’s eher als mit Zigaretten. Aber man stelle sich die Dame mal vor, das tödliche Frauchen.

Nun ist unsere Vorstellungskraft warmgelaufen. Und freut sich an der Anzeige „Erde aus Hochbett zu verschenken“.
Das hat mich dann schon interessiert. Hochbetten sind ja sehr im Trend, wie es scheint, aber wer schläft denn in Erde? Und warum wird die dann verschenkt, möchte der Besitzer frische Erde haben oder es gar mit einer Matratze versuchen?

Abgesehen davon: Dinge, die man nicht mehr braucht, zu verschenken, das hat Zukunft. Also unabhängig von Weihnachten.

Jemand hat übrigens ein Telefon zu verschenken, das nicht schnurrt. Ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist – weiß nicht.

Frohe Weihnachten, und kommen Sie gut ins neue Jahr, ohne Ausrutschen!

Deutsch mit Charme

Wird Kurz wieder Kanzler in unserem sympathischen Nachbarland? Im Oktober wissen wir mehr, und sei’s nur, dass die Wahlumschläge wieder ned bickt ham [geklebt haben]. Klaus Eberhartinger (EAV) sprach schon 2014 Prophetisches über Politiker wie Sebastian Kurz und Obama: „Manchmal werden Diamanten geschliffen, bis sie rund sind wie ein Kieselstein.“
Letzte Woche sagte ein anderer Österreicher: „Dadüdadabinischo!“ Lautmalerisch für den Rettungswagen. Einen österreichischen Rettungswagen, schon, aber es hätte auch ein fränkischer sein können. Es war in der ORF-Sendung „Was gibt es Neues“ – Medizin fürs gestresste Gemüt. Beispiel von einem anderen Sendetermin: „Wieviel Prozent hat deine Schokolade?“ – „100 Gramm.“

A propos gestresstes Gemüt: Da war ich mit dem Wort Entspannen etwas zu schnell fertig. „Wie geht es dir?“ „Total Panne, Alter.“ „Hier ist was zum Entpannen.“
Ein Blog-Eintrag ohne tiefsinnige neue Fehlleistungen von mir geht eh nicht. Also: Was ist spezieren? Mit einem guten Bekannten spazierengehen.
Und ich erzählte von einem Herrn, der sich gern bedankt – fast hätte ich geschrieben „betankt“. Das wäre üble Nachrede gewesen und sei ferne von mir.
Lesen kann ich auch sehr verkehrt, bzw. vielleicht gar nicht so verkehrt. Neues Beispiel: „Preisgekrönter Schund (Sound)“.
Gerade heute gegrübelt, als ich ein Auto mit der Aufschrift „Montageservice“ sah: Arbeiten die auch dienstags?

Auch anderen passieren feine Tippfehler. Mitten in der Hitzewelle ein Angebot auf ebay Kleinanzeigen: „Weihnachtsbaumschmuck zu versenken“. Der Anbieter dachte an Wasser oder hatte schon die Mülltonne im Blick . . . oder sein Handy hat selbst getextet.

Die Polizei bemüht sich um korrektes Deutsch – das ist löblich und gar nicht so einfach, wenn ringsumher nur noch geschludert wird, weischwiechmein? Laut Pressemeldung sucht sie jetzt eine „entlaufene Schlange“. Das ist wirklich spannend, denn nach dem, was sich die Schlange im Garten Eden geleistet hatte, hatte der Herr ja gesprochen: „Auf dem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang“ (Genesis 3). Hat sich da – vor den Augen der Menschen verborgen – etwas Eschatologisches getan, dass die Schlange wieder laufen kann?

„Fragen über Fragen, bleiben Sie dran.“

Du lesen Deutsch?

 

Wieder ein paar frische Verleser von mir: „Der Verein Denkmalschutz trifft sich jede Woche im Lokal xy bei einer gemeinsamen versoffenen Vorstandssitzung . . .“ – Moooment. „Versoffen“? Nein, vereinsoffen.

Schweizerisches Fernsehen macht Freude. Zum Beispiel der Kommentar zu einem Fußballspiel: „Die ganzi Chörpersprach hat nicht gestummen“. Da sieht man vielleicht die Geschichte dieses Verbs. Im einstigen Hochdeutsch – im Gegensatz zum Niederdeutsch der Flachländer im bergigen Süden gesprochen – könnte das ein starkes Verb gewesen sein. Stimmen, stamm, gestummen, oder so (?)

Programm-Ankündigung Schweizer Fernsehen: „Schweinezeit“, lese ich. Was da steht: „Schweizweit“.

Einen gehaltvollen Schreibfehler habe ich auch hinbekommen, manche sagen hingerichtet. Denn wer empfindsam ist, mag’s nicht gern „reizüblerflutet“. Mit dem zusätzlichen „l“ steckt mehr Information in dem Wort als ohne.

Unkaputtbar: Das Mutterherz. „Sie genoss den erfreulichen Anblick ihres Sohnes. Er war so gewaschen!“ Sauber, der Bua. Und groß geworden.

Nicht topaktuell, aber auch eine Profi-Nachrichtensprecherin kann sich verlesen: In der Tagesschau wurde von der „Rettung des vorletzten Höhlenforschers“ berichtet. Es ging um den verletzten Höhlenforscher – die Sprecherin selbst hat es nicht bemerkt.

Zum guten Schluss zwei vollkommen fehlerlose Beiträge. Chrischtoph Sonndag: „Jede Society-Amsel hat ihr eigenes Parfühm.“ Mir könnet älles, nur kei Hochdeitsch, aber des brauchts au ned. Und Bruno Jonas: „Es muaß mi koana versteh; es glangt, wenn ich gehört werde.“

So is’s! Oder?