„Ein ganzes Blatt in der Geschichte
du hast es vollgemacht.“
(Dichterin und Aktivistin Friederike Kempner, der Schlesische Schwan, 1828-1904)
Die zweite Zeile war ein großer Heiterkeitserfolg wegen ihrer Doppelsinnigkeit, oder wie man heute sagt: weil doppelsinnig.
Daran musste ich bei der Eloge eines Kollegen von Mario Barth denken, der über diesen sagte: „Der hat das Level in eine andere Stratosphäre gemacht.“
Wie bitte bzw. Neudeutsch: Hä? Wo hat der hingemacht? Und was?
Ja klar, wenn man so begeistert ist – so begeistert wie die Werbeagentur, die für ein Plombenzieher-Knautschbonbon die mitreißenden Worte fand:
„Mehr Knack! Mehr Kau!“ (Was soll denn das n da?)
Ich weiß, das ist spitzfindig, und das soll man nicht sein. Aber ich möchte doch nur spitzifizieren …
It’s an uphill battle. Also lieber lächelnd in den Wumbaba-Modus gehen, vorgemacht von dem süßesten Kind aller Zeiten beim Absingen von Weihnachtsliedern:
– Schinkenpelz (Jingle Bells)
– Die rötlichen Hirten (Ihr Kinderlein kommet, die redlichen Hirten)
Anders herum verfuhr – und verfuhr sich – yours truly als sehr junge Sprachwissenschaftlerin: Sie akzeptierte nicht, was „der Vater im Himmel für Freude uns macht“. Es musste doch „magd“ heißen, nicht „macht“, denn „ich mach den nicht leiden“ war doch auch nicht korrekt, und ein Weihnachtslied musste man schon ordentlich auf Hochdeutsch singen. Überhaupt nannten sich die besten Frauen in der Bibel doch „Magd“, das passte so gut zum Vater im Himmel. Wenn auch an dieser Stelle nicht zur hochheiligen Nacht. Das war die erste Ahnung von „reim dich, oder ich fress dich“.
