Deutsche Sprache, reiche Sprache


Deutsch ist die in Europa am meisten gesprochene Sprache, regional unglaublich vielfältig. Ein Beispiel aus der Wiener Raterunde Was gibt es Neues, ORF eins [ähns]:

Frage: Welche besondere Regel gibt es beim Vatikan-Fußballcup?
– Ma doaf bähn Köpfler kähne Doanankrone ohfhohm, wähl sonst der Boll kabutt werd.
– Es gibt ka Absähts!
Warum?
– Wähls aa ka Jensähts gibt.
– Mir zwaaa kehrn zaum!
(„Köpfler“ wurde mit ironischer Distanz bewusst falsch gesagt. Nur zur Info.)


Und aus Bayern die Gruber Monika: „Nur dumme Leit san unhöflich.“
Dank da schee, Gruberin.
A propos: Gestern wollte ich von einer unhöflichen Rezeptionistin erzählen. So unprofessionell im Hotel- und Gaststättengewerbe – meinte ich. Heraus kam aber eine ahnungsvolle Abkürzung: im Hotel- und Gästesterben.


Ahnungsvolle Fehler liebe ich sehr, auch wenn ich sie beim Korrigieren und Lektorieren ausmerzen muss. Besonders passendes Beispiel: „Resilienz kann auch durch epigenetische Kennzeichen vererbst werden.“ Wer denkt da nicht an Mendel? Aber solche intellektuellen Leckerbissen darf eine Uni-Abschlussarbeit nicht bieten.


Bei der Polizei wird erfreulicherweise Wert auf korrektes Deutsch gelegt. Manchmal funktioniert es nicht so ganz. Beispiel verbal angriffslustige Wohnungstür: „Nachdem die 29-jährige Ruhestörerin die Wohnungstüre geöffnet hatte, griff diese sofort die eingesetzten Beamten verbal an.“
Und ja, die starken Verben haben eine Vergangenheitsform ohne „-te“. Das ist schon die halbe Miete. Die zweite Hälfte – der veränderte Vokal – fehlt aber irgendwie, wenn sie fehlt: „Offenbar vertrag [ein anderer Gast] Karotten gut“, heißt es im Polizei-Pressebericht über eine Auseinandersetzung im Restaurant. Möglicherweise wurde hier kein Korrekturprogramm verwendet, sonst hätte es für „vertrag“ Großschreibung verlangt. So ähnlich erging es mir einmal mit dem Satz „Seine Frau war merklich kühler geworden.“


Richtig kreativ ist mein Schwiegersohn. Neulich empfahl er, gegen die Kälte etwas „Wüllenes“ anzuziehen. Warum auch nicht wüllene Kleidung, wenn es ein güldenes Ringlein gibt? Dieses Wort kann die deutsche Sprache bereichern. A propos Wortschatz: Für das Hören fehlt eine Entsprechung zu „Blick“ für das Sehen. „Auf den ersten Hör“ gibt es nicht, sollte es aber geben.
Der besagte junge Mann kann auch two in one: Nachdenklich sagte er, man würde sich eigentlich in die Pfanne lügen. Einzig sinnvolle Antwort: Da wird doch der Hund in der Tasche verrückt. Aber vielleicht geht es dem da besser als in der Pfanne . . . genug der Grausamkeiten.

Frohe Ostern!

publiziert am 14.04.2019 bei Language-Wizard.de.